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War das schon alles? Was dieser Satz wirklich bedeutet – und was er von dir will.

 

 

Es ist ein Dienstagabend.

 

Nichts Besonderes. Du hast gekocht, gegessen, abgeräumt. Vielleicht noch eine Maschine Wäsche angemacht. Irgendwas erledigt, das schon länger auf der Liste stand. Und jetzt sitzt du da. Die Wohnung ist still. Alle sind versorgt. Du könntest jetzt eigentlich –

 

Ja. Was eigentlich?

 

Und genau da taucht er auf. Dieser Satz. Ganz leise, fast beiläufig, als wäre er schon die ganze Zeit da gewesen und hätte nur auf diesen Moment gewartet, in dem du nicht mehr beschäftigt bist.

 

War das schon alles?

 

Du schiebst ihn weg. Natürlich. Du denkst: Ich hab doch alles. Andere haben es schwerer. Ich sollte dankbar sein. Also stehst du auf, machst noch irgendetwas, gehst irgendwann schlafen.

 

Aber er kommt wieder. Er kommt immer wieder.

 

Du hast alles richtig gemacht.

 

 

Das ist das Verrückte daran.

 

Du hast nicht geschludert, dich nicht gedrückt, nicht versagt. Du hast funktioniert – zuverlässig, ausdauernd, ausnahmslos. Gekocht, geputzt, organisiert. Hausaufgaben kontrolliert um halb zehn abends, Arzttermine koordiniert, Geburtstage nicht vergessen, die von allen. Du hast Überstunden gemacht und trotzdem das Abendessen auf dem Tisch gehabt. Du hast deinem Mann den Rücken freigehalten, deinen Kolleginnen geholfen, immer irgendwie alles zusammengehalten.

 

Jahrelang.

Jahrzehntelang.

 

Und dann – irgendwann – sind die Kinder raus. Studium, eigene Familie, Ausbildung, Auslandsjahr. Spielt keine Rolle, was der Grund ist. Sie sind weg. Und du stehst in einer Küche, die du alleine aufräumst, in einem Haus, das auf einmal sehr groß wirkt, und merkst:

 

Da ist ein Loch.

 

Nicht dramatisch. Kein Einbruch, kein großer Knall. Einfach – Stille. Und in der Stille dieser Satz.

 

 

Er sitzt nicht im Kopf

 

 

Das ist das Erste, was ich dir sagen will.

 

Du kennst dieses Ziehen. Irgendwo zwischen Brust und Bauch. Manchmal ein Stechen, manchmal nur diese diffuse Schwere, die morgens schon da ist, bevor der Tag angefangen hat. Du hast gelernt, darüber hinwegzugehen. Hast gelernt, es wegzureden, wegzuarbeiten, wegzufunktionieren.

 

Aber er ist noch da.

 

Und weißt du, was das bedeutet? Nicht, dass du undankbar bist. Nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Sondern dass dein Körper dir etwas sagen will – und dass er das schon sehr lange versucht.

 

Er lügt nicht. Er speichert. Er erinnert. Und irgendwann, wenn endlich Stille da ist, meldet er sich. Nicht um dich zu quälen. Sondern weil da noch etwas ist, das gehört werden will.

 

 

Irgendwann hörst du auf, dir Wünsche zu wünschen

 

 

Nicht bewusst. Nicht an einem bestimmten Tag, nicht mit einem Entschluss. Es passiert einfach – so langsam, dass du es nicht merkst.

 

Wolltest du mal studieren? Reisen? Irgendwas anfangen, das nur dir gehört – nicht Mutter, nicht Mitarbeiterin, nicht Partnerin, nicht die Frau von? Irgendetwas, bei dem du nicht funktioniert hast, sondern einfach du warst?

 

Wo ist das hin?

 

Die Wünsche sind nicht weg. Sie haben nur aufgehört, laut zu sein. Weil jahrelang kein Platz für sie war. Weil immer was anderes kam, immer jemand anderes zuerst. Weil du so oft zurückgesteckt hast, dass es irgendwann normal wurde.

 

Ich habe mir meinen Wunsch, ans Nordkap zu fahren, irgendwann erfüllt. Alleine. Es war einsam da, sehr still, sehr rau. Und wunderschön. Nicht weil es spektakulär war – sondern weil es meins war. Nur meins. Niemand hatte mich darum gebeten. Niemand hatte es erwartet. Ich hatte es einfach getan.

 

Weißt du noch, wie sich das anfühlt?

 

 

Dieser Satz ist kein Versagen. Er ist eine Einladung.

 

 

Das ist es, was ich dir wirklich sagen will.

 

"War das schon alles?" – dieser Satz ist nicht dein Feind. Er ist das Lauteste, was dein Inneres seit Jahren gesagt hat. Er sagt: Da ist noch was. Da will noch was gehört werden. Unerfüllte Wünsche, aufgeschobene Träume, vielleicht auch etwas ganz Neues – etwas, das du noch nicht mal benennen kannst, das aber irgendwo in dir schon wartet.

 

Setz dich mal hin. Nicht um eine Liste zu schreiben, nicht um irgendetwas abzuhaken. Einfach um zu spüren: Was zieht in mir gerade? Was meldet sich, wenn ich ehrlich bin und niemand zuschaut?

 

Was würde sich richtig anfühlen – für mich? Nicht für alle. Für mich.

 

Wenn du diesen Satz kennst, bist du nicht falsch. Du bist bereit.

 

 

Wenn du weitergehen willst

 

 

In der aktuellen Episode meines Podcasts EndlICH! – Fühlen.Fluchen.Feiern. spreche ich genau darüber. Aufgenommen übrigens im Vorzelt meines Wohnwagens, mit Krähen im Hintergrund – so wie das Leben eben ist.

 

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Und wenn du spürst, dass du nicht mehr weißt, wo du anfangen sollst – aber weißt, dass du nicht mehr so weitermachen willst wie bisher: Dann lass uns reden.

 

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